Zwischen weißen Mauern und altem Holz – Ein Foto-Walk durch Teguise

Wer auf Lanzarote unterwegs ist und den Lärm der Küstenorte hinter sich lassen möchte, sollte auch einmal nach Teguise fahren. Nicht nach Costa Teguise, dem modernen Ferienort, sondern in die eigentliche Villa de Teguise im Inselinneren. Hier, auf einer leichten Anhöhe unterhalb des Vulkans Guanapay, liegt einer der am besten erhaltenen historischen Ortskerne der Kanaren.

An zwei ruhigen Nachmittagen habe ich mich mit der Ricoh GR IV auf den Weg gemacht. Alle Aufnahmen entstanden als RAW und wurden später in Silver Efex in Schwarz-Weiß gewandelt. Gerade in monochromer Darstellung gewinnen die Oberflächen an Reiz: das strahlende Weiß der Kalkfassaden, die Schatten, die von allen möglichen Objekten geworfen werden und vor allem die gealterten Holzstrukturen der Fenster und Türen.

Ein Ort, der Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt

Der Ortskern von Teguise lädt zum langsamen Schlendern durch die Gassen ein. Die Straßen sind meist gepflastert, die Bebauung bleibt flach und übersichtlich. Die typischen lanzarotenischen Häuser sind niedrig, oft nur ein- oder zweigeschossig, und ihre Fassaden sind in jenem strahlenden Weiß gehalten, das man auf der Insel so häufig sieht. Dieses Weiß ist nicht bloß ästhetisch. Die Kalkfarbe reflektiert auch die intensive Sonne und hilft, die Innenräume kühler zu halten.

Besonders auffällig sind die vielen alten Holzfenster und -türen. Manche sind schlicht und funktional, andere zeigen noch Reste von Schnitzereien oder alte Beschläge. Das Holz ist oft dunkel und wettergegerbt, mit Rissen und Abplatzungen, die von Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten erzählen. In Schwarz-Weiß treten diese Texturen besonders schön hervor. Die Fensterläden, die man an vielen Häusern noch findet, öffnen sich oft nach oben – eine traditionelle Lösung, die Schatten spendet und gleichzeitig Luftzirkulation ermöglicht.

Zwischen den Wohnhäusern finden sich immer wieder kleine Läden und Werkstätten. Hier wird Kunsthandwerk angeboten: Keramik, Holzarbeiten, Textilien, Schmuck aus lokalen Materialien, aber auch Produkte, die an die bäuerliche Tradition der Insel erinnern. Viele dieser Geschäfte wirken nicht wie touristische Souvenirläden, sondern wie Orte, an denen noch tatsächlich gearbeitet wird. Man kann stehen bleiben, hineinschauen und mit den Inhabern sprechen, ohne irgendwelche Waren aufgedrängt zu bekommen. Die Atmosphäre ist entspannt – selbst an Tagen, an denen der bekannte Sonntagsmarkt stattfindet und viel mehr Menschen unterwegs sind als unter der Woche.

Ein kurzer Blick in die Geschichte

Teguise ist keine zufällige Siedlung. Nach der normannischen Eroberung Lanzarotes ab 1402 durch Jean de Béthencourt wurde der Ort um 1418 unter seinem Neffen Maciot de Béthencourt als städtisches Zentrum etabliert. Maciot heiratete Teguise, die Tochter des letzten majoischen Herrschers Guardafía, und benannte die Siedlung nach ihr. Die Lage im Inselinneren bot Schutz vor den häufigen Piratenangriffen, die die Küsten jahrhundertelang bedrohten, und verfügte über bessere Wasserressourcen und fruchtbarere Böden als viele Küstenabschnitte.

Über 400 Jahre, bis 1852, blieb Teguise die politische und religiöse Hauptstadt Lanzarotes. Hier saß das Cabildo, hier standen die wichtigsten Verwaltungs- und Herrschaftsgebäude. Die Kirche Nuestra Señora de Guadalupe geht in ihren Anfängen auf das 15. Jahrhundert zurück und wurde im Laufe der Zeit mehrfach zerstört und wiederaufgebaut – unter anderem durch Piratenüberfälle und einen Brand im Jahr 1909. Besonders verheerend waren die Angriffe in der zweiten Hälfte des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts, darunter der große Überfall algerischer Korsaren 1618. An diese Ereignisse erinnert unter anderem der Callejón de la Sangre (Blutgasse).

Zum Schutz wurde auf dem nahegelegenen Guanapay das Castillo de Santa Bárbara errichtet und ausgebaut. Nachdem 1852 die Hauptstadtfunktion an das wachsende Arrecife mit seinem Hafen überging, blieb Teguise dennoch ein bedeutender Ort. 1980 wurde der historische Ortskern als Conjunto Histórico-Artístico unter Schutz gestellt. Viele der erhaltenen Adelshäuser, darunter der Palacio Spínola, und die ehemaligen Konvente zeugen noch heute von der einstigen Bedeutung.

Was die Schwarz-Weiß-Bilder zeigen

Meine Entscheidung, die Fotos in Schwarz-Weiß umzusetzen, war bewusst. Die weiße Architektur Lanzarotes lebt stark von Kontrasten – zwischen greller Sonne und tiefen Schatten, zwischen glatter Fassade und grobem Holz, zwischen dem strengen Rechteck der Häuser und den organischen Formen der alten Türen. In monochromer Darstellung werden diese Spannungen besser hervorgehoben, Farbe stört hierbei eher. Die Ricoh GR IV mit ihrem 28-mm-äquivalenten Objektiv und dem kompakten Format eignet sich hervorragend die Straßen- und Architekturfotografieren: man bleibt unauffällig, kann nah herangehen und dennoch den räumlichen Zusammenhang erfassen.

Teguise belohnt das langsame, beobachtende Gehen. Man muss nicht von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzen. Es genügt, den Blick über die Fassaden gleiten zu lassen, die Textur eines alten Türsturzes zu betrachten oder in einem der kleinen Läden die handwerkliche Arbeit anzuschauen.

Ein langsamer Spaziergang durch Teguise lässt einen sofort "herunterfahren". Die angenehme Ruhe, die der Ort ausstrahlt, ist deutlich zu spüren.

Auf jeden Fall sollte man auch einen Stop bei Jonnie Bakes machen und dort eine der täglich frisch gebackenen Köstlichkeiten und einen hervorragenden Kaffee genießen!

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