Lost Place in Frankfurt: ehemaliges Polizeipräsidium
Am 10. Mai 2026 besuchte ich gemeinsam mit einem Freund das ehemalige Polizeipräsidium in Frankfurt am Main. Wir nahmen an einer geführten Tour teil, die von einem früheren Kriminalkommissar geleitet wurde. Durch das riesige Gebäude führte er uns mit großer Sachkenntnis und erzählte zahlreiche Geschichten – sowohl zur Architektur und Geschichte des Komplexes als auch zu den Menschen, die hier einst inhaftiert waren.
Das Alte Polizeipräsidium zählt zu den bekanntesten Lost Places mitten in Frankfurt. Sein fortschreitender Verfall übt eine besondere Anziehungskraft aus. Erbaut zwischen 1911 und 1914 im Stilmix aus Neobarock und Neoklassizismus, liegt der Gebäudekomplex an der Friedrich-Ebert-Anlage im Stadtteil Gallus in der Nähe des Hauptbahnhofs. Von 1914 bis 2002 diente er als Hauptsitz der Frankfurter Polizei. Im Zweiten Weltkrieg wurde er nahezu zur Hälfte zerstört und bis 1954 wieder aufgebaut. In den teilweise noch erhaltenen, äußerst spartanischen Zellen saßen unter anderem bekannte RAF-Terroristen wie Andreas Baader. Im Jahr 2002 zog die Polizei in einen modernen Neubau an der Adickesallee um, und seitdem steht der weitläufige Komplex weitgehend leer. Zwischenzeitlich gab es vereinzelte Nutzungen, etwa als Diskothek, wovon heute noch vereinzelte Wandbemalungen zeugen.
Beim Betreten des Gebäudes zeigt sich der starke Kontrast zwischen Verfall und einstiger Pracht: abblätternde Farbe, herabhängende Tapeten und eine stark vernachlässigte Inneneinrichtung treffen auf gut erhaltene architektonische Details – Jugendstilfenster, mächtige Säulen und aufwendig gestaltete Treppengeländer. Lange Gänge, zerfallene Räume, der Innenhof, Graffiti, Fensteröffnungen, die alten Gefängniszellen und selbst die Toiletten für die Insassen erzählen stille Geschichten. Das Betreten auf eigene Faust ist verboten und aufgrund des baufälligen Zustands gefährlich. Anbieter wie Frankfurter Stadt-Events führen regelmäßig Touren durch, die in der Regel gut zwei Stunden dauern und nur mit Schutzhelm absolviert werden dürfen. Für Fotografen ist der Ort ein besonderes Highlight.
Fotografiert habe ich mit der OM Systems OM-3 und dem OM Systems 12-45mm PRO-Objektiv, durchgehend in RAW. Die Farbaufnahmen wirkten zunächst eher unspektakulär. Erst die Konvertierung in Schwarz-Weiß mit Silver Efex brachte die gewünschte Wirkung: Durch gezieltes Spiel mit Licht und Kontrasten entstanden teils gespenstische Stimmungen, die die Atmosphäre des Ortes deutlich verstärkten. Die Dramatik der verfallenen Räume, der langen Flure und der kargen Zellen trat so deutlich hervor.
Die Zukunft des Areals ist noch nicht abschließend geklärt. Die historische Fassade und bestimmte Gebäudeteile stehen unter Denkmalschutz und sollen saniert werden, während große Teile des Komplexes voraussichtlich abgerissen werden. Das Land Hessen hat das Gelände verkauft. Geplant ist ein modernes Innenstadtquartier mit Büros, Hotel und Wohnungen sowie einem rund 175 Meter hohen Hochhaus im Innenhof. Die Umsetzung verzögert sich derzeit, nachdem der Düsseldorfer Projektentwickler Gerchgroup im August 2023 Insolvenz angemeldet hat.
Der Besuch war ein spannender Ausflug, der sowohl historisch als auch fotografisch lohnend war. Wer Interesse hat, sollte sich für eine der geführten Touren von Frankfurter Stadt-Events anmelden (https://www.frankfurter-stadtevents.de/). Eine Kamera sollte man auf jeden Fall mitnehmen.